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  • Ronald Pohle

Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung in der Bildungsstätte Knappenrode

Heute nahm ich, in meiner Funktion als Beauftragter der Vertriebenen und Spätaussiedler der CDU-Fraktion des sächsischen Landtages, am Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung in der Bildungsstätte in Knappenrode teil. Das Bildungszentrum auf dem Gelände der einstigen Brikettfabrik setzt sich mit Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg auseinander. In meinem Grußwort betonte ich die Notwendigkeit der weiteren finanziellen und personellen Ausstattung des Zentrums, damit die engagierte Arbeit fortgeführt und die Bildungsstätte künftig zu einem Wissenschafts- und Begegnungszentrum weiterentwickelt werden kann. Neben Staatsministerin Petra Köpping nahmen ebenso der Vorsitzende des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler Sachsen Frank Hirche, Jens Baumann Beauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler Sachsen sowie Friedrich Zempel, Vorsitzender des Erinnerung und Begegnung e.V. und viele weitere, teil. Höhepunkt des Tages war die Verleihung des Zukunft-Erbe-Preises für herausragende Beiträge zur Geschichte und Bewahrung des kulturellen Erbes der Vertreibungs- und Aussiedlungsgebiete der Deutschen aus Ost-Mittel-Europa.


Mein Grußwort können sie hier nachlesen:

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Köpping, sehr geehrter Herr Staatssekretär Vogel, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Ruban-Zeh, sehr geehrter Herr Beauftragter Dr. Baumann, lieber LSV-Landesvorsitzender Hirsche, sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen herzlich für die Einladung in das Bildungs- und Begegnungszentrum Transferraum Heimat und die Möglichkeit anlässlich des Sächsischen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung in meiner Funktion als Beauftragter der CDU-Landtagsfraktion für Heimatvertriebene und Spätaussiedler kurz zu Ihnen sprechen zu dürfen.

Selbstverständlichkeiten sind weder Gedenktag noch Gedenkort.

Ich erinnere mich noch recht gut an jene Sitzung des Landtages im Frühsommer 2014, als wir auf Initiative und mit der Mehrheit der Fraktionen von CDU und FDP die Staatsregierung beauftragten, diesen Gedenktag in Sachsen einzuführen. Ein Selbstläufer war das nicht. Eine damals und eine noch heute oppositionelle Fraktion versuchten, die möglichen Einwände unserer Nachbarn in Polen und Tschechien vorschiebend, den Antrag von der Plenartagesordnung zu wischen bzw. den Antrag ein für alle Mal abzuweisen. Das Gedenken an die eigenen Opfer des zweifellos durch Deutschland ausgelösten Elends passt und passte so gar nicht in deren Weltbild.

Mein damaliger Fraktionskollege, der heutige Leiter des Begegnungszentrums, Frank Hirche, hielt daraufhin eine engagierte Rede, in der er das grenzenlose Leid, das die ca. 15 Millionen heimatvertriebenen Deutschen erfuhren, in die großen historischen Zusammenhänge einordnete und zugleich den Beitrag würdigte, den diese Menschen zum Wiederaufbau unserer Heimat leisteten und, erweitert um die große Zahl der Spätaussiedler aus den einstigen deutschen Siedlungsgebieten, heute noch leisten.

Ich freue mich, dass es uns gelang, den Gedenktag, der in ähnlicher Weise nur in Hessen und in Bayern begangen wird, durchzusetzen. Besonders freue mich darüber, dass wir ihn offiziell in dieser, vom Freistaat Sachsen unterstützten Begegnungsstätte feiern können. Obwohl noch nicht fertig gestellt, lässt sich erkennen, dass Schicksal, Rolle und Verdienst der Opfer von Flucht und Vertreibung hier eindrucksvoll dokumentiert und der Nachwelt erlebbar gemacht werden.

In jener, eingangs erwähnten Landtagssitzung meldeten sich nicht nur jene zu Wort, die unser Ansinnen nach einem Gedenktag rundheraus ablehnten, sondern auch jene Parlamentarier, die darauf hinwiesen, dass der Vertreibung unserer Landsleute aus ihren angestammten Siedlungsgebieten zwar gedacht werden solle, aber bitte doch in einem viel universelleren Zusammenhang und in einem Bezug zu Gegenwart und Zukunft.

Sehr geehrte Damen und Herren, je häufiger ich mich mit dem bisher Erreichten beschäftige, umso mehr denke ich, dass diese Kollegen mit ihrer Sicht der Dinge nicht völlig Unrecht hatten.

Gerade in den letzten Jahren mussten wir erfahren, dass weder das vom deutschen Volke im vergangenen Jahrhundert ausgegangene, noch das daraufhin von ihm erfahrene Leid dafür gesorgt haben, dass die Menschheit auf Krieg als Mittel der Auseinandersetzung und auf Vertreibungen von Menschengruppen oder Völkern verzichtet.

In unserem Land haben im letzten Jahrzehnt so viele Menschen Zuflucht gesucht, wie sonst nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Eine für Europa im 21. Jahrhundert nicht mehr vorstellbare Fluchtbewegung zog der russische Krieg gegen die Ukraine nach sich.

Daraus ergeben sich gesellschaftliche Entwicklungen, deren Konsequenzen in Gänze, heute noch gar nicht absehbar sind. Es wäre wünschenswert, diese Prozesse im Freistaat Sachsen wissenschaftlich gezielter als bisher aufzuarbeiten und vergleichend mit den historisch länger zurückliegenden Flucht- und Vertreibungsereignissen zu betrachten und auszuwerten.

Das Bildungs- und Begegnungszentrum dahingehend zu einem Forschungs- und Begegnungszentrum zu qualifizieren, eine Auftragsweitung hin zur Betrachtung globaler Vertreibungsprozesse vorzunehmen – all das scheint vorstellbar und geboten an einem Ort wie diesem. Kaum irgendwo anders könnten die Erfahrungen und Erkenntnisse von damals so gut in aktuelle politische und gesellschaftliche Gestaltungsprozesse einfließen.

Mit der derzeitigen materiellen und personellen Ausstattung der Bildungs- und Begegnungsstätte ist so etwas natürlich nicht leistbar, aber warum sollte man für die Finanzierung so bedeutender gesellschaftlicher Aufgaben nicht politische Unterstützung, bzw. politische Mehrheiten suchen. Gerade hier im vom Strukturwandel besonders betroffenen Raum sehe ich durchaus Erweiterungsmöglichkeiten.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen für die von Ihnen erbrachten Leistungen und ich freue mich auf die weitere, in die Zukunft gerichtete Zusammenarbeit. Ich versichere Ihnen, dass Sie mich, wie auch die gesamte CDU-Landtagsfraktion bei ihrem weiteren Tun zuverlässig an Ihrer Seite haben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.





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